Nachlese zur Fachtagung des Kompetenzzentrums Sprachbildung im CHANCEN-Verbund
Fachtagung des Kompetenzzentrums Sprachbildung im CHANCEN-Verbund: Austausch, Erkenntnisse, Impulse
Wie kann Schule und Unterricht datengestützt weiterentwickelt werden, um sprachliche Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern? Welche Möglichkeiten gibt es, um Lehrkräfte für den Unterricht in mehrsprachigen heterogenen Lerngruppen fortzubilden? Und welche Unterstützungsangebote lassen sich für die Stärkung der Basiskompetenzen in der beruflichen Bildung nutzen? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der zweiten Fachtagung des Kompetenzzentrums Sprachbildung im CHANCEN-Verbund Ende November. Veranstaltet wurde das Treffen vom Kompetenzzentrum Sprachbildung als Teil des Forschungsverbunds im Startchancen-Programm.
Rund 70 Teilnehmende aus Wissenschaft, Bildungsadministration und Bildungspolitik kamen in Köln zusammen, um sich über zukünftige Maßnahmen im Rahmen des Startchancen-Programms und aktuelle Herausforderungen in der sprachlichen Bildung auszutauschen. Die Basiskompetenzen von Kindern und Jugendlichen – wie Lesen, Schreiben und Zuhören – nachhaltig und systematisch zu stärken und den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft zu entkoppeln, das ist das gemeinsame Ziel. Das Kompetenzzentrum Sprachbildung arbeitet hierfür eng mit den Akteur:innen aus den Ländern zusammen.
Arbeits- und Fachgruppen zu zentralen Themen sprachlicher Bildung
Auf der Tagung befassten sich drei Fach- und Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten sprachlicher Bildung:
- Mehrsprachigkeit und Neuzuwanderung
- Mehrsprachigkeit und Neuzuwanderung im Kontext beruflicher Bildung und
- datengestützte Unterrichtsentwicklung
Im Fokus stand der länderübergreifende Austausch zu Erfahrungen, Bedarfen und Herausforderungen. Gemeinsam sollen Konzepte entwickelt werden, die ländereigene Materialien sowie bewährte Ansätze – beispielsweise aus Initiativen wie BiSS-Transfer und Schule macht stark – SchuMaS – bündeln und passgenaue Qualifizierungsangebote für Multiplizierende umfassen.
Mehrsprachigkeit und Neuzuwanderung als Inhalte in Qualifizierungsangeboten
Die Fachgruppe „Mehrsprachigkeit und Neuzuwanderung“ knüpfte in Köln an ihre langjährige Arbeit im Rahmen der Initiative BiSS-Transfer an und wird nun im Rahmen des CHANCEN-Verbunds fortgeführt. Viele neue Teilnehmende waren dabei.
Ein zentraler Schwerpunkt der Fachgruppe ist die Qualifizierung von Lehrkräften mit Blick auf die Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer. Michaela [DK2] Mörs, Wissenschaftlerin am Mercator-Institut, stellte hierfür das Konzept des BiSS-Blended-Learning vor – ein Qualifizierungskonzept für Multiplizierende und Lehrkräfte, das auch im Startchancen-Programm eingesetzt wird und auf einer Kombination von Präsenz- und Online-Lernen beruht. Geplant ist, ausgewählte Lerneinheiten stärker auf den Unterricht mit neu zugewanderten und mehrsprachigen Schüler:innen auszurichten. Eine Arbeitsgruppe soll die Weiterentwicklung der Fortbildungsangebote begleiten. Neben den Qualifizierungsmöglichkeiten diskutierte die Fachgruppe auch das Potenzial von Unterstützungswerkzeugen wie „Strategiekarten“ zur Lese- und Schreibförderung für neu Zugewanderte oder KI-Tools.
Förderung der sprachlichen Bildung an beruflichen Schulen
Erstmals tagte die neu gegründete Fachgruppe zur beruflichen Bildung. Der Austausch zeigte, dass in den Ländern bereits Strukturen zur sprachlichen Förderung in der Berufsorientierung und beruflichen Bildung etabliert sind, zugleich aber ein Bedarf an passgenauen Materialien und Qualifizierungsangeboten da ist – besonders mit Blick auf die Themen Mehrsprachigkeit und Neuzuwanderung.
Genau hier setzte die Fachgruppe an und befasste sich mit wissenschaftlich fundierten Tools und Maßnahmen zur Diagnostik als Grundlage gezielter Förderung. Prof. Dr. Christian Efing von der RWTH Aachen stellte den „Baukasten Lesediagnose“ vor – ein Unterstützungstool, das eine individuelle Erfassung der Lesekompetenzen an beruflichen Schulen ermöglicht. Franziska Stellfeld vom Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung in Sachsen-Anhalt gab Einblicke in die Maßnahmen des Landes und betonte die wichtige Aufgabe, den Erwerb von beruflichen Schlüsselkompetenzen zu stärken. Ergänzend teilten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen aus ländereigenen Maßnahmen.
Zusätzliche Ansatzpunkte zur Unterstützung der Sprachbildung an Berufsschulen zeigten sich in den Fortbildungsangeboten von BiSS-Transfer, die für die berufliche Bildung genutzt werden können, sowie in Materialbeispielen aus dem Leseförderkonzept „Lesesportler“ und dem Projekt „KOFISCH – Kompetenzförderung im Schreiben“.
Datengestützte Unterrichtsentwicklung: Potenziale nutzen
Die Arbeitsgruppe „Datengestützte Unterrichtsentwicklung“ befasste sich mit der Frage, wie Daten gezielt zur Analyse, Reflexion und Verbesserung von Unterricht eingesetzt werden können, um sprachliche Kompetenzen in heterogenen Klassen zu verbessern. Denn: Studien – wie VERA-BiSS – zeigen, dass sich eine systematische Datennutzung nachweislich positiv auf Unterrichtsqualität und Lernerfolg auswirkt.
Prof. Dr. Petra Hanke von der Universität zu Köln stellte entsprechende Forschungsergebnisse vor. Prof. Dr. Jörg Jost, Projektleiter des Kompetenzzentrums Sprachbildung, machte zudem anhand eines Prozesskreislaufs deutlich, wie gewinnbringend die enge Verzahnung von Diagnostik und Förderung für die Unterrichtsgestaltung sein kann.
In der Arbeitsgruppe wurde schnell klar, dass die Diagnosepraxis in den Ländern derzeit sehr unterschiedlich ist und teilweise durch technische und datenschutzrechtliche Herausforderungen erschwert wird. Entsprechend groß ist der Wunsch nach Unterstützung und Vernetzung.
Konkrete Angebote, die die Länder direkt einsetzen können, sind bereits vorhanden und wurden in der Arbeitsgruppe vorgestellt: Darunter ein Beobachtungsinstrument zur Evaluation des Rechtschreibunterrichts sowie die BiSS-Transfer-Fortbildung „Nutzung von VERA-8 als Instrument zur Lehrkräftequalifizierung und Unterrichtsentwicklung im Lesen“.
Darüber hinaus plant das Kompetenzzentrum Sprachbildung ein webbasiertes Beratungstool zu entwickeln, das Länder bei der Verzahnung von Diagnostik und Förderung unterstützt. Filterfunktionen sollen die gezielte Auswahl von Kompetenzbereichen ermöglichen, länderspezifische Inhalte können dabei ergänzt werden. Wunsch einiger Länder war, begleitende Fortbildungen für Multiplizierende oder Schulberatende anzubieten, um das Beratungstool zielgenau anwenden zu können.
Gemeinsam mehr Kohärenz schaffen
Die Fachtagung machte deutlich: In den Ländern existieren bereits viele erfolgreiche Maßnahmen und Strukturen zur sprachlichen Bildung in Schule und Unterricht. „Jetzt geht es darum, diese im Sinne des Startchancen-Programms – insbesondere für Schulen in herausfordernden Lagen – strukturell zusammenzuführen“, betont Dr. Simone Jambor-Fahlen, Koordinatorin des Kompetenzzentrums Sprachbildung, zum Abschluss der Veranstaltung. Ziel sei eine größere Kohärenz. Sprich: Maßnahmen und Konzepte zu bündeln und sinnvoll miteinander in Einklang zu bringen.
Das Kompetenzzentrum Sprachbildung unterstützt die Länder dabei, Konzepte und Tools zur Diagnose und Förderung bereitzustellen, Qualifizierungsangebote anzubieten und in bestehende Landesstrategien einzubetten. Der gemeinsame Austausch in Köln lieferte hierfür zentrale Impulse, die nun in die weitere gemeinsame sprachliche Bildungsarbeit einfließen können: sowohl hinsichtlich der fachlichen Inhalte wie auch hinsichtlich des Austauschs für die im Rahmen des Startchancen-Programms für die sprachliche Bildung verantwortlichen Personen.
Erfahren Sie mehr über die Arbeit des Kompetenzzentrums Sprachbildung!
Bilder: Mercator-Institut
